Der Mößbauereffekt


1 Grundlagen
Unter Mößbauereffekt versteht man den (bei Atomen gut bekannten)
Effekt der Resonanzfluoreszenz, der hier Kernresonanzfluoreszenz
genannt wird: g-Quanten, die von angeregten Kernen emittiert
werden, können von Kernen der gleichen Isotopenart wieder resonant
absorbiert werden, allerdings nur, wenn Quell- und Absorberkern in ein
Kristallgitter eingebaut sind. In diesem Fall ist die
Rückstoßenergie ER = [(E2)/(2Mc2)] ~ 10-20eV. (E ist
die Photonenenergie, M die Masse des Festkörpers) klein gegen die
durch die endliche Lebensdauer des angeregten Niveaus bedingte
Linienbreite von etwa 10-8eV. Bei der Emission eines
g-Quants am freien Atom wäre ER ~ 10-3eV. Das
bedeutet, im Festkörper kann die Rückstoßenergie im Vergleich mit
der Linienbreite vernachlässigt werden, während sie am freien Atom
die Resonanzbedingung zerstört. Es können jedoch bei der Emission
eines g-Quants aus dem Festkörper Gitterschwingungen angeregt
werden, wodurch ebenfalls die Resonanzbedingung nicht erfüllt werden
kann.
Ein gewisser Anteil f der g Quanten (gegeben durch den
sog. Debye-Waller-Faktor) wird ohne Anregung von Gitterschwingungen,
d.h. mit natürlicher Linienbreite emittiert bzw. absorbiert.
Mit Hilfe der Mößbauerspektroskopie kann man daher die
Hyperfeinwechselwirkung des Kerns mit seiner Umgebung (typische
Energie ca. 10-7eV ausmessen, indem man die Energie der von der
Quelle emittierten g-Quanten mittels Dopplerffekt variiert,
d.h. die Quelle relativ zum Absorber bewegt. Der Versuchsaufbau wird in
untenstehender Grafik (links) dargestellt.
2 Versuchsaufbau
Die Relativbewegung zwischen der Quelle und dem Absorber erfolgt
dadurch, dass die Quelle mit der Schwingspule eines
Lautsprecherantriebs (MB-Antrieb) verbunden ist. Eine Regelschaltung
(MB-Regelverstärker + Funktionsgenerator) bewirkt eine periodische
Bewegung der Schwingspule mit "konstanter Beschleunigung"
(alternierend positiv und negativ), also mit periodisch ab- bzw.
zunehmender Geschwindigkeit v(t) (s. Grafik rechts). Die
g-Quanten werden in einem Detektor (Proportionalzählrohr
bzw.Na 5 (tl)-Szintillator mit Photomultiplier) nachgewiesen, das
Signal verstärkt sich mit einem Einkanaldiskriminator wird ein
Energieintervall um die Resonanzenergie selektiert. Die
g-Quanten mit passender Energie werden in einem
Vielkanalanalysator gezählt, der mit dem MB-Antrieb synchronisiert
wird. So lässt sich in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit
zwischen Quelle und Absorber ein Resonanzspektrum messen.
Figure 1: Experimenteller Aufbau (links) und Verlauf der Geschwindigkeit der Quelle (rechts)
3 Ziel des Versuchs
Der Versuch besteht aus den vorbereitenden Messungen (Energie-Eichung
des g-Detektors, Messung der Energieauflösung des
Detektors, Geschwindigkeitseichung des Mößbauerantriebs) und den
eigentlichen Mößbauermessungen. Aus diesen könnten unter anderem
folgende Größen bestimmt werden:
- natürliche Linienbreite bzw. Lebensdauer des angeregten
Kernniveaus,
- Debye-Waller-Faktoren von Quelle und Absorber,
- Isomerieverschiebung ('chemical shift') verschiedener
Substanzen, daraus z.B. der Ladungszustand des Eisen-Ions,
- magnetisches Moment m des angeregten Kernzustandes und das
Magnetfeld am Kernort,
- elektrisches Quadrupolmoment Q des angeregten Kernzustandes bzw.
der elektrische Feldgradient (EFG) am Kernort.
4 Literatur
G. Schatz, A. Weidinger, Nukleare Festkörperphysik, Kap. 2-4,
B.G. Teubner, Stuttgart 1985
Grundlagen sehr kompakt und übersichtlich dargestellt
H. Wegener, Der Mößbauereffekt und seine Anwendung in Physik und
Chemie, Kap. I, IV, V, BI Hochschultaschenbücher, Mannheim 1966
Das Standardwerk, praktisch vollständig und sehr ausführlich, auch
bei theoretischen Herleitungen
Mößbauer Spectroscopy; Editor: U. Gonser, Topics in Applied
Physics Vo.5; Springer Verlag 1975
Im Umfang zwischen den beiden obengenannten Werken angesiedelt
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